2019 Paddeln in der Ägäis und auf dem kleinen Prespasee (Albanien Vjosa 1. Teil)

 

Hallo liebe Leute,

nachdem mir der Text des ersten Teils bereits aus unerfindlichen Gründen verloren ging, nun eine kleine Kurzzusammenfassung unseres 1. Abschnitts.

Der Reisegedanke nach Albanien geisterte bereits mehrere Jahre in meinem Kopf herum, ist das Land ja noch relativ unentdeckt und erst auf dem Wege unseren ‚Wohlstand‘ zu erreichen. Unsere letztjährige Donaudeltareise lieferte einen wesentlichen Beitrag, uns auch einen weiteren unberührten Teil Europas auszusuchen, bevor auch hier der alltägliche Wahnsinn Einzug hält. Eigentlich sollte es der Fluss  Drin sein, den wir ansteuern wollten. Nach eingehender Recherche kam ich jedoch zum Ergebnis, dass der Drin durch seine gigantischen Staustufen wohl eher ein lahmgelegter Wilder ist, also eher ein Rollstuhlfahrer unter den Flüssen.

Folgender Spiegel-Beitrag überzeugte mich dann von der Vjosa oder Aoos, wohl einem der letzten wilden und unverbauten Flüsse Europas:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/uebermorgen/albanien-der-vjosa-fluss-ist-das-letzte-blaue-wunder-europas-und-in-gefahr-a-1146095.html

Das musste ich mir wirklich einmal ansehn .. und befahren.

Nun ist es bis Albanien durchaus kein Katzensprung und wie immer ging es zuerst an die Grobplanung… Nahe lag nun bei dieser Entfernung, dass wir uns auch gleich bis zum ägäischen Meer durchschlagen und vielleicht auf dem Weg nach Albanien noch ein Highlight besuchen.

Lasst euch also überraschen:

Die Crew: Bent, Steffen und Micha

28.09.2019

 

 

 

 

 

 

 

Der erste Abschnitt führt uns nach Ungarn, nahe Györ, wie im letzten Jahr in Donaunähe an der slowakischen Grenze ..

 

 

 

 

 

..und auch der Regen hört bald auf.. wir finden ein idyllisches Plätzchen und gönnen uns am nächsten Tag sogar ein Bad..

30.09.2019:

1 x quer durch Ungarn bis an die Theiss.. es ist etwas abenteuerlich, den Damm auf und ab zu fahren. Wir sind direkt an der serbischen Grenze.. Ein ungarisches Angel-Ehepaar grüsst uns freundlich..

 

01.10. Heute geht es durch Serbien, Nordmazedonien bis nach Griechenland hinein…Es sind die Grenzübertritte 4-6.

 

Die Durchfahrt von Serbien ist recht trist. denn es gibt meist nur landwirtschaftlich geprägte Regionen. Erst Richtung Nordmazedonien wird die Landschaft etwas abwechslungsreicher. In Nordmazedonien wird eifrig Autobahn gebaut.. auf nach Europa..

Makedonien, die griechische Region ist sehr arm, vermüllt.. und wurde nunmehr auch mit Flüchtlingslagern belegt..

überall gibt es Baumwollfelder, doch die Nacht naht und wir haben noch kein Lager,,,

auch ist`s nicht anzuraten, da wilde Hundemeuten on the road sind.. Mo fehlt..

Mrs. turtle kann uns auch nicht weiterhelfen..

Letztlich müssen wir durch eine wilde gigantische Müllhalde hindurchfahren, um am Ende des Weges eine 20 m2 -Fläche zu finden. Alles mehr schlecht als recht, aber besser als nix.. In der Ferne beginnt ein griechisch-orthodoxer Gottesdient, mit grossem Singsang,  der gefühlt bis Mitternacht anhält. Es ist stockdunkel und wir sind direkt an einem Fluss, können ihn jedoch durch diesen breiten und dichten Schilfgürtel nicht erreichen. Ab 22.00 Uhr schwebt eine Viertelstunde ein Hubschrauber in nächster Nähe. Dieser dreht dann später ab, als er sich sicher ist, dass wir keine Flüchtlinge sind.. Scheissgefühl.. Goldschakale nächtigen ebenfalls in der Nähe.

 

 

 

 

 

 

Nach einem kurzen Bad im knietiefen Wasser geht`s ab durch die Müllhalde Richtung Strasse und Ägäis.

unglaublich..

 

 

 

 

 

 

 

Wir erreichen am 02.10.2019 das ägäische Meer nahe Fteroti. Klappte die letzte Übernachtung mittels Luftbild nicht so recht, fanden wir hier nun den perfekten Einstiegsplatz für unsere Kajaks an einem kleinen Strand. Die Strände sind lt. Aussage der Einheimischen alle öffentlich. Allerdings soll nach ihrer Meinung Zelten ausserhalb von Zeltplätzen nicht gestattet sein und evtl. 200 EUR Strafe kosten.. 

Was soll`s, wir sind niemals feige.. und es ist schon Nachsaison..

 

 

Start zur Insel Diaporos

Es ist nur ein Einpaddeln, denn es ist wirklich nicht weit, das Wetter ist mehr als toll und wir haben bald das erste Bad..

Die Halbumrundung zeigt uns aber kaum Campmöglichkeiten auf.. doch das ändert sich dann..

 

Hier sind noch wunderschöne Grundstücke frei…

 

 

Wir finden eine schöne Stelle an einem verlassenen Haus mit eigenem Bootssteg..

 

 

 

 

 

 

 

 

auf einem alten Olivenhain..

mit Termitenstrassen.

Der Tag endet genauso wunderschön, wie er begonnen hat, nur eben auf keiner Müllhalde..

 

03.10.2019 Nach kurzem Spaziergang umrunden wir die Insel mit mehreren Badestopps.

 

 

 

 

 

 

Ein Tintenfisch verabschiedet uns dabei..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein letzter Badeaufenthalt am feinen Weststrand der Insel, der sich übrigens auch bestens zum Übernachten geeignet hätte..

 

Wir packen unsere sieben Sachen und fahren nun immer Richtung Nordwest zum Prespa-Nationalpark.

Doch erst einmal müssen wir wieder übernachten..

Hier ist wieder ein Feuerchen möglich..

.. und ein Bad im glasklaren Wasser des Stausees.

04.10.2019..

Der Nationalpark Prespa (albanisch Parku Kombëtar i Prespës) ist ein 27.750 Hektar großer Nationalpark in Südostalbanien.[1] Er hat einen internationalen Schutzstatus als Nationalpark (IUCN-Kategorie II).[2]

Das Gebiet umfasst den südwestlichen, albanischen Teil des Prespasees und des Kleinen Prespasees mit ihren Ufern und dem Umland. Im Nordwesten liegt der Mali i Thatë (2287 m ü. A.). Die Gemeinde Pustec und einige Dörfer der Gemeinde Devoll liegen innerhalb des Parks. Das abgeschiedene Gebiet liegt im Bereich des Grünen Bands.

Der Nationalpark wurde durch Gesetz von 1999 geschaffen.[1] Er war das Resultat von Bemühungen auf allen drei Seiten der Grenzen, das insbesondere für Zugvögel bedeutende Gebiet besser zu schützen. Treibende Kräfte hinter dem Projekt waren nebst einer albanischen Naturschutzorganisation die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und Euronatur. Schon länger bestehen mit dem Galičica-Nationalpark und dem Nationalpark Prespes Schutzgebiete in Nordmazedonien und in Griechenland, die durch den albanischen Park miteinander verbunden wurden. Es besteht auch ein trinationales Abkommen, das den Schutz der Prespaseen auch über die Nationalparkgrenzen hinaus regeln soll.[3]

Der See ist sehr fischreich und Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Besonders bedeutsam ist er als Brut- und Überwinterungsplatz für viele seltene Vogelarten, zum Beispiel den Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) und den Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus). Die Prespaseen sind besonders schützenswerte Feuchtgebiete im Sinne der Ramsar-Konvention.

Rund die Hälfte des Gebiets ist Wald. 7000 Hektar zählen zur Kernzone, mehrheitlich in abgelegenen, gebirgigen Gebieten. Die Wasserfläche umfasst etwa 5000 Hektar.[3]

An den Ufern des Prespasees und auf der Insel Maligrad finden sich mehrere alte Kapellen. Höhlen zeugen von der langen Besiedlungsgeschichte des Gebiets.

aber auf dem Weg dahin …

Baustellen, ne Menge Mautstellen mit je 2-4  EUR Gebhr und Bärenschilder..

Er scheint hier so gegenwärtig zu sein, dass die neue Autobahn schwerst eingezäunt ist..

Wir finden bald ein schönes Fleckchen zum Campen. Allerdings ist hier viel Ziegen- und Schafkacke anzutreffen..

 

 

 

 

 

Der Kleine Prespa (griechisch Λίμνη Μικρή Πρέσπα Límni Mikrí Préspaalbanisch Liqeni i Prespës së vogëlmazedonisch Мало Преспанско Езеро Malo Prespansko Ezero) ist ein See im Grenzgebiet zwischen Griechenland und Albanien. Der Großteil liegt auf griechischem Gebiet; nur die letzten Kilometer des langen westlichen Armes reichen nach Albanien hinein. Vom (Großen) Prespasee im Dreiländereck von Griechenland, Albanien und Nordmazedonien ist der Kleine Prespasee durch eine schmale Landbrücke getrennt.

Der Kleine Prespasee befindet sich auf einer Höhe von 853 m. Der nördlich angrenzende Große Prespasee liegt vier Meter niedriger (849 m).[1] Der Kleine Prespasee hat eine Fläche von 45,39 Quadratkilometern. Er ist bis zu 10,6 Kilometer lang und 6,6 Kilometer breit. Die mittlere Tiefe wurde mit 6,7 Meter, die maximale Tiefe mit 7,7 Meter bestimmt. Somit ist der Kleine Prespasee wie die meisten anderen griechischen Seen verhältnismäßig flach. Im Gegensatz dazu ist der Große Prespasee mit einer maximalen Tiefe von 53 Metern deutlich tiefer. Das Wasservolumen des Kleinen Prespasees beträgt 320.000.000 Kubikmeter. Das Wassereinzugsgebiet (catchment area) beläuft sich auf 260 Quadratkilometer. Die Wassertemperaturen betragen gemittelt 21 °C und maximal 28 °C.[1]

Hohe Berge umgeben den See, in dem zwei kleine Inseln liegen. Im Westen befindet sich ein Durchlass durch die Berge, durch den der See bei Hochwasser nach starken Niederschlägen und im Frühling während der Schneeschmelze zum Fluss Devoll und so in die Adria entwässerte. Seit den 1950er Jahren bis etwa zum Jahr 2000 wurde der Devoll bei Hochwasser zudem in den Kleinen Prespasee geleitet. Das so zwischengespeicherte Wasser wurde in den trockenen Jahreszeiten über einen Kanal, der während des Regimes der Partei der Arbeit Albaniens gebaut wurde, abgeleitet, um die Ebene nördlich von Korça zu bewässern. Das Einleiten des Devolls führte wegen der mitgeführten Sedimente zu einer starken Verlandung des westlichen Teils des Sees. Der albanische Teil besteht deswegen heute kaum mehr aus offenen Wasserflächen, sondern nur noch aus Schilfgebieten.[2]

Ein kleiner natürlicher Kanal zum Großen Prespa entwässert nach Norden. Von dort gelangt das Wasser unterirdisch in den Ohridsee und somit ins Flusssystem des Drins. Das Wasser des Kleinen Prespasees wird alle 3,4 Jahre erneuert.[1]

Die Prespaseen sind besonders schützenswerte Feuchtgebiete im Sinne der Ramsar-Konvention

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die  Grenze ist ganz nahe. Dieser albanische Hirte kommt jeden Tag hier nach Griechenland.. und erzählt uns von Bären, die oft bis zum See vordringen.

 

Doch wir amüsieren uns über einen Fuchs, der anscheinend keine Angst vor uns hat. Am nächsten Tag merke ich, dass er mir eine Teva-Sandale gestohlen hat, die mich wohl 15 Jahre begleitete.. Schade, dass mein Collierüde Mo nicht da ist..

Am nächsten Tag machen wir ein Boot flott und fahren auf die kleine Insel Agios, die nur mit einem sehr langen  Fusssteg mit dem Festland verbunden ist..

Doch vorher ein kleiner Spaziergang zur Hirtenkapelle und den allgegenwärtigen Stangenbohnenfeldern.

 

 

witzig sind die weissen Seitenstreifen.., da es hier keine Autos gibt..
Auch die Einwohnerzahl scheint zu schwanken…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Inselrundgang führt uns durch alte byzantinische Ruinen, die von grossen Zeiten zeugen.., über das blitzabgeleitete Gipfelkreuz zur erhabenen Kirche. Unterwegs finden wir neben herrlichen Ausblicken…

 

 

 

 

 

auch andere Dinge…..

 

 

 

 

 

 

 

 

..und etwas für`s spätere Abendbrot…

Die letzten grünen Bohnen von den Stangen, Pilze und eine, vom Fuchs durchlöcherte Büchse..

 

 

 

 

 

 

 

 

06.10.2020 Bye, bye Griechenland.. auf nach Albanien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Erste, was in Albanien auffällt ist, dass hier fast jedes Auto ein Mercedes ist, allerdings meist älterer Bauart..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir klettern unterwegs auf über 1000 m Höhe. Die Strassen sind zum grossen Teil in einem sehr schlechten Zustand..

 

..und dann sehen wir den ersten Bunker, der uns an Enver Hodscha, den grossen Führer und Diktator der Albaner

Dieser Mann mit muslimischen Wurzeln und Studium in Frankreich und Belgien hatte Grosses vor..  Mit jugoslawischer Hilfe baute er 1941 die kommunistische Partei auf, deren Vorsitzender er von 1943 bis zu seinem Tode war. Er kämpfte als Partisan bis die letzten deutschen Truppen im November 1944 Albanien verliessen.

Trotz mehrerer schwerer gesundheitlicher Schläge (DiabetesHerzinsuffizienz und kleinere Schlaganfälle) führte er bis zuletzt die politischen Geschäfte und leitete mehrere „Säuberungsaktionen“, bei denen zahlreiche Menschen, zumeist missliebig gewordene Politiker und Intellektuelle, zum Tode oder zu langjährigen Freiheitsstrafen mit nachfolgender Internierung verurteilt wurden..

Es war wirklich nicht einfach mit ihm und jeder musste eigentlich wissen, dass nach Freundschaft und Förderung mit der nächsten politischen Wende die Ungnade oder der Tod stand.

Tito, der andere grosse Führer` plante nach dem Krieg eine Balkanföderation zwischen Jugoslawien, Albanien und Bulgarien. Stalin lehnte dies ab, Hodscha schlug sich auf die Seite Stalins. Albanien war danach rigoros abgeriegelt, Grenzverkehr mit Jugoslawien gab es nur im geringen Umfang, die Grenze zu Griechenland war sogar völlig geschlossen.

Mit dem Tod Stalins 1956 brach er auch ab 1961 die bis dato guten Beziehungen zur UdSSR ab, die wesentlich dazu beigetragen hatte, dass Albanien z. B. ein Eisenbahnnetz bekam, das übrigens teilweise bis heute funktioniert.

China unter Mao war als Nächstes angesagt und jegliche Religionen wurden im Land  bekämpft. 1967 erklärte Hodscha Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt. 1978, nach dem Tode Maos und den damit verbundenen Veränderungen wandte sich Hodscha auch von China ab.. und wurde zunehmend paranoid. Dies gipfelte in einer absoluten Isolationspolitik  und der Inauftraggabe von 750.000 Bunkern im ganzen Land, von denen wohl über 200.000 gebaut wurden und die noch heute allgegenwärtig sind. Er hatte vor allen anderen Ländern Angst..

Warum sind eigentlich immer die Anderen die Bösen??

Der dazu notwendige Ausbau der Betonindustrie und der Import von Stahl belastete die albanische Wirtschaft auf Jahre stark und erzeugte im Volk ein Bild permanenter äußerer Bedrohung.

Seit dem Jahr 1968 erschien eine Ausgabe der Werke (albanisch Vepra) Enver Hoxhas, die 1990 mit Band 71 abgebrochen wurde. Daneben wurden Tagebücher und Memoirenbände des Diktators veröffentlicht. Ziel der Werkausgabe war es, Enver Hoxha zu einem klassischen Theoretiker des Marxismus-Leninismus zu erheben.

Berg Shpirag in Südalbanien mit Propaganda-Inschrift ENVER (1995)

Enver Hoxha starb am 11. April 1985 in Tirana im Alter von 76 Jahren an Herzversagen.

Der Sozialismus brach in Albanien 1992 zusammen. Obwohl völlig verarmt, kann sich das Land nunmehr besser entwickeln und hat eine Chance..

 

 

 

 

 

..und dann sehen wir sie erstmals.. die Vjosa nahe Permet..

 

 

Liebe Freunde,.. das war die Wiederherstellung des ersten Teils unserer Reise. Bis hierhin haben wir 7 Grenzen überschritten und sind nunmehr am eigentlichen Ziel unseres Trips angelangt..

Den Reisebericht könnt ihr weiterverfolgen unter :

2019- 2. Teil Paddeln auf der Vjosa (Albanien)

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